Samstag, 1. Juni 2013

Haus zu verkaufen gehabt.

"Ein Haus ist kein Zuhaus, wenn ich ohne Dich bin" sang einst Katharina Valente.
Es ist in der Tat eines der trostlosesten Lieder, an die ich mich erinnere.
"A house is not a home" hat Candy Dulfer Ende der Achtziger wesentlich funkier gesungen.

Das mag alles sein. Aber wenn man in einem Haus zuhause war, dort gute und auch schlechte Zeiten zugebracht hat, aufgewachsen ist und immer gerne "nach Hause" gekommen ist, dann fällt einem der Abschied schwer.

Nun war es also soweit.
Nachdem meine Geschwister und ich viel Zeit damit zugebracht haben, das Haus leerzuräumen, Sachen zu sichten, aufzuteilen, entsorgen, verschenken, verkaufen. Das Haus zu reinigen, teilweise zu renovieren und dergleichen, war nun gestern die Übergabe.
Es ging leichter, als ich dachte.
Zählerstände aufnehmen, letzte Rechnungen übergeben, Schlüssel aushändigen, gute Wünsche für beide Seiten und dann bin ich gefahren, ohne mich umzudrehen.

Wirklich schlimm war es zwei Tage zuvor, da hätte ich heulen können, zudem schob sich die Übergabe immer noch einen Tag hinaus, weil das Geld nicht gebucht wurde. Das ist wie vor einer Operation, die immer wieder verschoben wird und man hätte sie gerne hinter sich, auch wenn man Angst davor hat.
Es blieb ein irgendwie befremdliches, taubes Gefühl.

Trotzdem war die Entscheidung richtig. Mit dem Haus haben wir auch die Probleme verkauft, die damit verbunden waren.
Nicht nur dafür zu sorgen, dass der Garten gemäht ist, im Winter Schnee zu räumen, die Versicherungspflicht zu tragen. Nein, es musste und muss viel am Haus gemacht werden, Tapeten, Böden, Fenster, Terasse, Schonstein.
Ganz zu schweigen von dem Geruch, der aus dem jahrelangen Genuss von Tabak in den Wänden steckt und zu einem in die Kleidung und in die Haare kriecht.
Vertraut und verhasst, kann ich da nur zu sagen.
Nachdem wir einige Teppiche rausgerissen, alle Möbel entsorgt und auch einige Tapeten abgenommen hatten, wurde es mit dem Geruch besser, aber ganz weg ist er noch nicht.

Nun kann ich auch wieder Zeit auf anderes verwenden, auf meinen Garten, meine Hobbies, meine Familie, mein Haus. Auch da ist vieles auf der Strecke geblieben.

Nimm Abschied Herz und gesunde - im Sinne Hesses heißt es nun, vorauszuschauen.

Ein kleiner weiterer Wermutstropfen ist, dass meine Geschwister und ich nun auch unseren gemeinsamen Dreh- und Angelpunkt verloren haben. Sind wir doch oft im Haus zusammengekommen, um gemeinsam die Vergangenheit aufzuarbeiten, haben dort viele Stunden verbracht und uns vielleicht auch neu gefunden.
Was sich davon in der Zukunft halten wird, ist noch nicht klar.
So, wie vieles neu sein wird und anders und ich bin mir nicht sicher, wie sehr ich damit schon abgeschlossen habe.

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