"Klingsors letzter Sommer" ist eine von Hesses Geschichten, die ich wirklich fantastisch finde.
Die letzten Lebenstage vom Maler Klingsor in kräftigen Farben aufgezeichnet und doch von der bitteren Süße des Todes durchdrungen.
Wie Hesse Klingsor (und damit auch sich selbst) darstellt wirkt unglaublich faszinierend auf mich. Auf der einen Seite die grenzenlose Aufgabe in seine Kreativität, sein Wunsch, sich auszudrücken und die Welt in seinen Augen festzuhalten, ohne Rücksicht auf sich und andere. Auf Kosten von Gesundheit und Lebenszeit, entbrannt im Wahn des Schaffens.
Wie wünsche ich mir dieses Feuer, dass in ihm brennt.
Vor allem brennt es in ihm weiter und jedes neue Werk facht es neu an.
Sehe ich mich, so bin ich nach kreativen und produktiven Phasen wie ausgebrannt.
Leer, verbraucht und antriebslos. Depression wechselt sich dann mit abgrundtiefer Depression ab.
Einen neuen Anlauf nehmen, kostet jedesmal viel Kraft und Energie und der schlimmste Moment am Tag ist immer wieder der, an dem ich feststelle, wieder aufgewacht zu sein.
Lebe schnell, sterbe früh, soll James Dean gesagt haben.
An vielen Tagen wünschte ich mir, schneller zu leben.
Denn die Geschichte von Klingsor ist für mich die Aufforderung, unser Leben zu nutzen, bevor wir sterben.
Eindrücklich finde ich die Stelle, wo erzählt wird, wie Klingsor den Beischlaf unterbricht, um aufzustehen und an seinem Bild weiterzumalen.
Er lässt den unwichten Tand zurück, um sein Innerstes zu verwirklichen.
Seinen kommenden Tod scheint er zu ahnen und möchte sein Werk beenden, etwas hinterlassen, was ihn selbst überdauert und dadurch seinen Tod unwichtig, sogar ungeschehen macht.
Ich wünsche mir, auch dieses Feuer in mir zu tragen.
Wie oft lasse ich Tage sterben, betäubt von Hilfsmittelchen, weil ich das Leid der Welt nicht mehr hören möchte?
Wie viele Nächte habe ich verschlafen, berauscht, vergessen - ungezählt.
Was bleibt, wenn ich gehe?
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